Rheinischer Merkur

Extra-Beilage

Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

Wer die Alten hat, dem gehört die Gegenwart

Radikalisierung der Alten als kulturelle und sozialpolitische Chance

»Wer die Jugend hat, hat die Zukunft«, das möchten sich die Politfunktionäre und leider auch viele Alte nur allzugern einreden. Ohne daß sie es wollen, widerlegen sie sich selbst; denn in der Zukunft dürften ja die heutigen Jungen die Altgewordenen sein, zumindest wenn die Zukunft noch etwas weiter vorausgesehen wird.

Also: »Wer die Alten hat, dem gehört die Gegenwart!« Die Älteren und Alten leben deswegen intensiver in der Gegenwart, weil sie sich keine große Zukunft mehr ausrechnen können. Den Älteren und Alten gehört die Gegenwart, weil ihnen der größte Teil der Wirtschaftsgüter in unserem Lande gehört - sie hatten am längsten Zeit, Hab und Gut zu erwerben. Sie hatten den größten Einfluß auf die Neubesetzung von Positionen, auch ihrer eigenen. Sie hatten die längste Zeit, Leistungen zu erbringen und Menschenkenntnis zu sammeln. Wirtschaftliche Macht und enge Verknüpfung in vielfältige gesellschaftliche Beziehungsnetze haben stets auch politische Dimensionen.

Das einzige, was unseren Alten fehlt, ist ein Bewußtsein, das ihren objektiven wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Positionen entspricht. Wessen müssen sie sich bewußt sein? Sie dürfen ihren Status, alte Menschen zu sein, nicht verniedlichen lassen durch Bezeichnungen wie >Senioren< oder >Ruheständler