Jerusalem – Stätte zweier Frieden

Deutsch-Amerikanisches Institut
Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

Ort:

Deutsch-Amerikanisches Institut (DAI)
Sofienstraße 12
69115 Heidelberg
www.dai-heidelberg.de

Das Konzert der SCHOLA HEIDELBERG und des ensemble aisthesis zum Thema „Jerusalem – Stätte zweier Frieden“ befasst sich mit dem tieferen Sinn im Mythos Jerusalem durch die Verbindung zwischen Spiritualität und nicht konfessioneller, musikalischer Utopie.

Seit vielen Jahren agiert Bazon Brock auf internationaler Ebene, begleitet von großem öffentlichen Interesse im kulturellen Kontext. Tituliert als Professor Emeritus für Kunst und Ästhetik der Universität Wuppertal, wird er an diesem Abend im DAI die Einführung für das gleichnamige Festival auf seine unverwechselbare Art und Weise gestalten.

Zum Programm Jerusalem – „Stätte zweier Frieden“

„Jerusalem“ – der Name kann gedeutet werden als „Stätte zweier Frieden“ (Stadt des irdischen und des himmlischen Friedens) – unter diesem Thema führen die SCHOLA HEIDELBERG, das ensemble aisthesis sowie Solisten unter der Leitung von Walter Nußbaum Musikwerke aus dem frühen Mittelalter bis zur Gegenwart (Uraufführungen) auf.
Zu hören ist Musik aus dem Kontext der drei monotheistischen Religionen, für die Jerusalem eine heilige Stadt ist. Die „Tempelstadt“ ist das Zentrum des Judentums innerhalb und außerhalb Israels, die Stätte der Kreuzigung und Auferstehung Christi sowie der Ort, von dem aus Mohammed seine Himmelsreise antrat. Dabei wird sie zu verschiedenen Zeiten immer wieder anders wahrgenommen und dargestellt: das historische Jerusalem, in dem Juden, Christen und Muslime zeitweise friedlich zusammen gelebt haben, das zerstörte der "Klagelieder", wie das heutige, Brennpunkt des Nahost-Konflikts, schließlich auch die jenseitige "himmlische" Stadt.
Eine besondere Bereicherung ist die Zusammenarbeit mit Komponisten und Interpreten, die durch Herkunft und Ausbildung multikulturell denken, so mit Ehsan Ebrahimi aus Iran (Uraufführung), Bnaya Halperin-Kaddari aus Israel, dem spanischen Komponisten José Sanchez-Vérdú (mit seiner Bearbeitung liturgischer Musik mit Bezug auf das Spanien der Reconquista um 1170), einem persischen Sänger, einem jüdischen Rezitator, einem Santurspieler und einer Sängerin aus Israel.
Die Klagelieder des Propheten Jeremia über die Zerstörung Jerusalems im Jahr 586 v.Chr. (Lamentationes) wurden in der abendländischen Musiktradition vielfach vertont, unter anderen von Thomas Tallis (ca.1585) und Tomas Luis de Victoria (ca.1600), aus deren Werken Teile zur Aufführung kommen. Mit Beispielen früher einstimmiger Musik aus dem arabischen Raum wird der Einfluß auf die westeuropäische Musik (u.a. Gregorianik) verdeutlicht.
Das Werk „Couleurs de la cité céleste“ von Olivier Messiaen wiederum beschwört die unzerstörbare jenseitige Farbigkeit der "himmlischen Stadt".

Werke von:
Dániel Péter Bíro (UA),Sidney Corbett (UA), Ehsan Ebrahimi (UA), Bnaya Halperin-Kaddari, Olivier Messiaen, José Maria Sanchez-Verdú, Thomas Tallis, Tomas Luis de Victoria; Rezitationen

14.10. 2015, 20 Uhr
DAI Heidelberg, Sofienstraße 12
Vortrag Bazon Brock, Berlin

Konzerte:
Freitag, 16.10. 2015, 20 Uhr
Neue Aula der Universität Heidelberg
Samstag, 17.10., 20 Uhr
Technoseum, Mannheim
Sonntag, 18.10., 18 Uhr
Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen

Einführung vor den Konzerten, ca. 30min

SCHOLA HEIDELBERG, ensemble aisthesis und Solisten (J.Marc Reichow, Klavier; Hamid Hadi, Atalya Tirosh, Gesang), Leitung Walter Nußbaum

In Kooperation mit dem KlangForum Heidelberg.

Der Eintritt ist frei.

Staatsräson und Heilsgeschichte - Begriffe als Platzpatronen

Einführungsvortrag für das Konzert des KlangForum Heidelberg

Orte, an denen sich Weltgeschichte und Heilsgeschichte in langen Perioden verschränkten, nennen wir Weltorte. Zu denen gehören Gizeh, Amarna, Jerusalem, Angkor Wat oder Rom. Unter ihnen kommt Jerusalem eine herausragende Stellung als Schnittpunkt von vornehmlich drei Kulturkreisen zu, dem jüdischen, christlichen und islamischen. Von größtem Interesse für die Bewertung gegenwärtiger Kulturkämpfe in Asien, Afrika, Europa ist die Kenntnis der Verschränkung von Glaube und Herrschaft als Machtform. Bemerkenswert ist, dass sich dieses Verhältnis so gut wie immer als Ideologie präsentiert. Das Begriffscluster „Jerusalem“ kann besonders dann entfaltet werden, wenn es gilt, absolutistisches Machtstreben zu legitimieren.