Angelika Weingardt: Kapelle im Transitbereich des Terminal 1 des Flughafens Frankfurt/Main

Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

Der Text entstand als Beitrag zur von Angelika Weingardt gestalteten Kapelle im Transitbereich des Terminal 1 des Flughafens Frankfurt/Main.

Warten auf eine Erwartung

Westliche wie östliche Weisheit sagen uns gleichermaßen, was der wirkliche Ehrenname des Menschen ist, soweit er sich selbst als wünschenden, hoffenden und auch entbehrenden Reisenden sieht. Er ist Patient des Glücks - und das lateinische patientia fordert zur Geduld auf: Etwas erwarten zu können, was wir im Advent feiern, etwas hoffen zu können, wie im Wartezimmer des Arztes, etwas wünschen zu können, wie in der Ewigkeit der Kindheit.

Verkehrstechnisch gesprochen heißt Warten, den Anschluss erreichen. In den Warteräumen erhoffen wir den Anschluss an Herkunft und Zukunft, an die individuelle Erinnerung und die phantasievolle Vorstellung des Kommenden.

Für den Menschen als viator mundi, für das Leben als Wanderschaft bieten die Kapellen am Wegesrand Gelegenheit zu spüren, dass die Kraft des Wünschens, Hoffens und Begehrens den Reisenden lebenskräftiger werden lässt als Ankunft und Erfüllung.
Man sollte sich die Kraft des Wünschens nicht durch Erfüllung nehmen lassen.