Frankfurter Allgemeine Zeitung

Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

Gegen das Chaos der Möglichkeiten – zur Debatte zwischen Habermas und Luhmann

Wer sich selber nicht mehr über den Gedanken traut, sehnt den starken Denker herbei, der aufräumt. Wenn es zuviel zu bedenken gibt, wird die Sehnsucht nach dem Nullzustand übermächtig. Null zieht immer und wieder: wo nichts ist, kann nichts gefordert werden. Da kann es endlich wieder ums Ganze gehen, weil das Ganze ohnehin kaum was ist. Bei Null kann die Sehnsucht nach dem Ursprung und letzten Grund sogar faktisch gestillt werden, und das Ewige, Unverrückbare und Bedingungslose ist vom Irrtumsrisiko ausgeschlossen, sonst wäre es nicht das letzte, was ein solcher Denker zu bieten hat. Sollte er dennoch nicht radikal genug 'hinterfragen', sollte er nicht alles bisher Gedachte als null und nichtig erklären, so wird für die nächste Saison ein noch radikalerer Denker gefunden werden, der noch größere Nullen macht, sozusagen.

Nicht solche, heute schon wieder weltweit grassierende Zeronostalgie (Nullsehnsucht aus Überforderung) veranlaßt den Rezensenten, das Buch von Habermas/Luhmann 'Theorie der Gesellschaft oder Sozialtechnologie' die gewichtigste Veröffentlichung aus dem Bereich der Theoriebildung zu nennen, die wie keine zweite den aktualen Stand der Diskussion um Grund und Bedingung unseres gesellschaftlichen Lebens darstellt und erweitert. Durch die unvergleichliche Rückhaltlosigkeit ihrer Konfrontation und die beispielhafte Anstrengung des Gedankens befördern die Autoren beim Leser die Ausbildung von Erwartungshaltungen und Argumentationsstandpunkten, ohne ihn zur Identifikation mit einem der Autoren zu zwingen. Deshalb kann der Leser unmittelbar seine Fähigkeiten zur Weltaneignung erweitern, anstatt durch die Lektüre nur zum Parteigänger ausgebildet zu werden. Gegenwärtig einmalig ist das Buch darüber hinaus durch die Tatsache, daß in ihm die bedeutendsten Autoren Deutschlands aufeinander bezogen wechselseitig reden und antworten, anstatt mit großem zeitlichem Abstand und in verschiedenen Publikationsformen indirekt Probleme zu verhandeln.

Es ist vorausgesetzt, daß eine solche Aussage des Rezensenten nicht als Urteil dargestellt werden kann, sondern eine Anzeige sein soll, ein absichtsvolles Hinweisen auf dieses Ereignis, das unerhörter- und für viele auch unerwarteterweise statthat. Mancherorts vernimmt man über das Ereignis die Bemerkung: 8 : 7 für Luhmann, was die Vermutung nahelegt, man betrachte die Konfrontation Habermas/Luhmann als eine sportive Paarung. Verweist das Ergebnis auf die Sportart Fußball (bei Einermannschaften Tischfußball mit Zehnerskala), so ginge aus dem Ergebnis hervor, daß die Partie noch nicht zu Ende ist. Ginge man von einem klassischen, schwergewichtigen 15-Runden-Fight der Boxer aus, so müßte man die Entscheidung als hauchdünn und damit zweifelhaft ansehen. Die Rückrunde binnen Jahresfrist wäre völlig offen.

Um im Gegenstandsbereich zu bleiben: Die Partie hat durchaus auch ihre anfechtbaren Seiten, was die Haltung der Kontrahenten anbelangt: diskriminierenden Sprachgebrauch bei Habermas ("Dezisionismus", "Irrationalität aller Spielarten", "Nicht nur im Jargon klingt HEIDEGGER an"): Herablassung bei Luhmann ("alteuropäische Tradition"); zudem scheinen die Autoren ihre Theorien doch jeweils der des anderen gegenüber durchsetzen zu wollen, ohne das als Ziel vorzugeben. Deshalb wird die Auseinandersetzung zuweilen stark rituell in gegenseitigen Beteuerungen, es anders zu meinen, als man's sagt.

Bei weniger bedeutenden Autoren würden solche Haltungsfehler gerade in den entscheidendsten Momenten der Konfrontation auftreten (wo es um die Aufgabe eigener Arbeitsresultate geht). Wenn Habermas bei der ideologiekritischen Analyse Luhmannscher Theorien und Luhmann bei der pauschalen Abwehr alteuropäischer Traditionen der Reflexion in stärkste Schleuderbewegungen geraten, so mag das also zeigen, daß für beide Autoren diese Problembereiche nicht mehr die entscheidende Bedeutung haben, die sie immer noch für die Adepten besitzen.

Bei der Entfaltung von Überlegungen zur Frage "Wie legitimiert sich einer, der entscheidet?"; "Kann der Wahrheitsbegriff funktionalisiert werden?"; "Was garantiert die Kontinuität der historischen, biologischen, gesellschaftlichen Prozesse?"; "Gibt es überhaupt noch eine Möglichkeit, Vernunft und Herrschaft, Macht und technologisches Wissen aufeinander zu beziehen?", bei solchen Fragen gehen Habermas wie Luhmann vorbehaltlos aufeinander ein, so weitgehend, wie das heute überhaupt schon vorstellbar ist. 

Habermas und Luhmann vertreten unterschiedliche Vorgehensweisen bei der Bestimmung und Lösung der Probleme gegenwärtiger Gesellschaften. Für beide ist Gesellschaft der Bezugsrahmen von Weltlichkeit, weshalb sie beide nur in die Entwicklung einer Theorie der Gesellschaft ihre Arbeit einbringen können und wollen. Aber an die universelle Geltung einer Gesellschaftstheorie sind Bedingungen geknüpft, über die noch keine Einigung besteht. Beispielsweise geht Habermas bei der Analyse von jeweils einzelnen Menschen als gesellschaftlichen Subjekten aus, die sich natürlich zunächst konstituiert haben müssen; während Luhmann auf umfänglichere Segmente von Welt sich ausrichtet, auf Menschen in einer Umwelt, wobei wiederum andere Menschen oder Natur oder Gegenstände oder Zustände solche Umwelt bilden können. Habermas ist darauf angewiesen, beständig die Konstitutionsgeschichte der einzelnen Subjekte, ihr Subjektwerden mitzuberücksichtigen, wenn er die augenblicklichen Formen des Subjektseins untersucht. Luhmann kann unbedenklich von einem Istzustand ausgehen.

Die Voraussetzungen der Konstitution von gesellschaftlichen und erkenntnistheoretischen Subjekten sind geschichtliche, d.h. veränderbare - was nicht bedeutet, daß sie weniger determinierend wären als die unveränderbaren Voraussetzungen biologischer Existenz. Veränderbarkeit ist nicht das Entscheidende; Differenziertheit, Unterschiedlichkeit haben höhere Geltung. - Gerade die genaue Analyse wird die immer gegebene Differenz der einzelnen geschichtlichen Voraussetzungen herausarbeiten: different untereinander und in bezug auf ihre mögliche Einheit.

Daraus ergibt sich, daß Habermas' Aussagen immer normativ sein müssen, auf einen Sollzustand ausgerichtet sind. - Das führt zu den häufigsten Mißverständnissen zwischen den Autoren, weil Habermas auch Luhmanns Aussagen als normative wertet, Luhmann aber auf diese Einwände so antwortet, als handele es sich um Kritik einzelner Schritte seiner Analyse.

Gegenüber der notwendigen Differenzbezogenheit Habermas' vermag Luhmann von der Einheit der Welt und ihrer Zustände auszugehen. Er betrachtet das historisch und kulturell Andere nur im Hinblick auf die doch in ihm gegebene, wenn auch minimale Einheitlichkeit. Durchaus läßt sich an diesem Punkt auch die Gegenüberstellung von Geschichte und Struktur für Habermas/Luhmann verwenden. Auf die Frage nach der Geschichtlichkeit der Struktur antwortet Luhmann: sie liegt in der unterschiedlichen Funktion von Strukturen; Habermas sagt: Geschichtlich ist die Struktur durch ihre unterschiedliche Nähe oder Ferne zum letzten Ziel, oder die Geschichtlichkeit der Struktur liegt in der mehr oder weniger gegebenen Möglichkeit, sie wahrhaft zu erkennen.

Um das nochmals zu vereinfachen, sei auf Grundvoraussetzungen der Autoren verwiesen.

Von Habermas bearbeitete Probleme beginnen dort, wo die einzelnen Subjekte in jenem konkreten Zusammenhang leben, der formal (z.B. als Grundgesetz) ihre einzelne Subjektivität ausbildet; das ist die Anerkenntnis des anderen als eines ichsagenden Subjekts; dabei müssen alle Beteiligten für sich und andere wechselseitig und gleichzeitig Ich-Subjekte und Du-Subjekte sein und deren Positionen beziehen können. Darüber gibt es zwischen ihnen wechselseitig aufgebaute und gegenseitig garantierte Erwartungen. Über die Schwierigkeiten erkenntnistheoretischen und gesellschaftlichen Subjektwerdens hinaus sind die Probleme des Subjektseins generell Kommunikationsprobleme oder Probleme der Befähigung zur Kommunikation. Kommunikation meint Formen der Bezogenheit von Subjekten auf etwas, was nicht sie selber sind (also auf andere Menschen oder Gegenstände oder Umstände). Solche Formen in ihren unterschiedlichsten Erscheinungsweisen als Sprachen oder Formalschemata entwirft und untersucht Habermas als Diskurs, Dialog, Konsensusbildung.

Von den Formen der Bezogenheit von etwas auf anderes geht auch Luhmann aus. Dies Etwas heißt bei ihm Umwelt, und dies Andere heißt System. Aber die Notwendigkeit solchen Bezogenseins wird nicht mehr wie bei Habermas von dem einen oder anderen her gesehen. sondern von außen, d.h. unter dem Gesichtspunkt des Vorkommens solcher Bezogenheit. Umwelt meint die Vielzahl gleichartiger Möglichkeiten innerhalb eines bestimmten Bestandes; Umwelt heißt ein Chaos von Möglichkeiten der Wahrnehmung, der Eindrücke, der Angebote. Umwelt ist komplex.

Um sich in einer so komplexen Umwelt zurechtzufinden, muß man auswählen, man muß Ordnung in das unübersehbare Angebot bringen. Das geschieht durch Ausgrenzung von Teilen dieser Umwelt als Systeme, in denen ein höheres Maß an Ordnung, an Entschiedenheit herrscht. Durch Systembildung wird also Umweltkomplexität reduziert: Von den einzelnen Systemen zur Umwelt besteht ein Komplexitätsgefälle, von dem das System in seinem Bestand abhängt. Das Komplexitätsgefälle darf nicht zu groß werden, z.B. dadurch, daß Umweltkomplexität verbraucht wird oder Ordnungsgefüge der Systeme so hochgradig werden, wie der Witz den typischen bürokratischen Systemen immer schon anlastet. Ein System ohne Umwelt kann nicht existieren. Es muß die Umweltkomplexität erhalten bleiben oder gar gesteigert werden. Die Relation System - Umwelt muß sinnvoll sein, weshalb Luhmann Sinn als eine Form der Umweltverarbeitung bezeichnet, die Selektion von Möglichkeiten leitet und zugleich die Erhaltung der nichtgewählten Möglichkeiten garantiert. Jedes System kann und muß seinerseits wieder für andere Systeme Umwelt sein. Auf diesem Wege finden Übertragungen statt, es können Erfahrungen tradiert werden, erfolgreiche Verfahren angewandt werden, ohne daß jedes System sie selber entdecken muß. Die Übertragung findet in Medien wie Geld, Macht, Liebe, Wahrheit, Kunst statt.

Wenn Systeme als Umwelt erfahren werden, ist die in ihnen auftretende Komplexität anderer Art, nämlich von anderen schon reduzierte Komplexität.

Wird die Reduktion als vorgegebene behandelt, so nennt Luhmann diese Form der Orientierung in der Umwelt Erleben; wird die Reduktion erst durch Systemleistung erbracht, so heißt das Handeln. Erleben und Handeln als prinzipielle Formen der Reduktion von Umweltkomplexität sind in Systemen ablaufende Prozesse und setzen sich verhaltende, lebende Organismen voraus, die überhaupt ihr Umweltverhältnis "sinnhaft" (s.o.) aufbauen können.

Nun: alles, was im jeweiligen Luhmannschen Betrachtungsfeld Umwelt - System vorkommt, wird als Funktion der Beziehung von Umwelt und System analysiert. Luhmann geht also immer von der Umwelt-System-Relation aus, niemals von dem einen oder anderen, wie das noch Vorgänger Luhmanns taten. Die Systemtheoretiker PARSONS und MERTON haben sich noch fast ausschließlich mit dem System selber, vor allem mit seiner Struktur beschäftigt. Die Struktur schien ihnen das Fundament des Systems zu sein. Luhmann geht von der unbestreitbaren Voraussetzung aus, daß selbst die Struktur eines Systems als "bloße" Funktion in der übergreifenden Einheit von Umwelt - System erscheint, weshalb Luhmann die strukturale Systemtheorie zu einer funktionalen erweitert hat.

Wenn durch Systembildung Komplexität der Umwelt reduziert werden soll, muß die Wahl der Struktur des Systems freistehen; die prinzipielle Wählbarkeit aller Möglichkeiten, die innerhalb eines bestimmten Weltbestandes gegeben sind, muß gewährleistet sein. Das heißt, die Welt muß kontingent sein: alle ihre Erscheinungsformen müssen wahrscheinlich und gleichartig sein, unabhängig davon, ob sie vom System gewählt und gebraucht werden oder nicht.

Am Problem der Kontingenz von Welt entscheidet sich die Auseinandersetzung um die funktionale Systemtheorie, für die Kontingenz unabdingbare Voraussetzung ist, und solchen Theorien, die durch Verweis auf die Geschichtlichkeit (prinzipielle Veränderlichkeit) und die Historizität (schon stattgehabte Veränderungen) gegebene Welt als nichtkontingent annehmen müssen.

Kontingenz ist nicht nur Zufälligkeit, eher Beliebigkeit, am besten die Gleichgültigkeit der Erscheinungsweise (Modus) eines Dinges für dessen Wesen, dessen nichtnotwendige Existenz. Aus solcher Geschichtlichkeit ohne Historizität hat Luhmann die unübertreffliche Formel der Problematik gegenwärtiger gesellschaftlicher Lebenszustände gebildet: "Mir wird zugemutet, die ganze Welt als Kontingent zu begreifen. Alles könnte anders sein - und fast nichts kann ich ändern."

Das Habermassche Anrennen gegen diese "schiefe" Voraussetzung macht ihn häufig textblind; so, wenn Luhmann sagt: "Ein Denken wird ideologisch, wenn es in seiner Funktion, Handeln zu orientieren und zu rechtfertigen, ersetzbar geworden ist" (aber nicht ersetzt wird, sondern weiterhin seine Funktion beansprucht). Habermas versteht das als Ersetzbarkeit der Ideologien und macht es sich so unmöglich, de facto von einer Verdachtsäußerung zu einem Diskurs überzugehen. Zu einer immer erneuten Verdachtsäußerung besteht Luhmann gegenüber nicht der geringste Anlaß, denn Luhmann hat eindeutig (am kürzesten in 'Komplexität und Demokratie' 1969) festgestellt, welche im Habermasschen Sinne kritische Dimension seine Ausgangsvoraussetzung hat. Die Konstatierung von Unbestimmtheit, Beliebigkeit, Kontingenz, auf die Luhmann die Gesellschaft schon in weitesten Bereichen gestellt sieht, ist Voraussetzung zur Erreichung jedes Zieles eines befriedeten gesellschaftlichen Daseins, um das es auch Habermas "und allen vernünftigen Menschen" geht und gehen muß.

Nach Luhmann gilt, daß aufgrund hoher Komplexität kontingenter Welt demokratisch verfaßte Organisationen geradezu erzwungen werden, weil nur so sinnvoll langfristige Garantie für herrschaftsfreies Leben gegeben werden kann, denn demokratische Struktur ermöglicht, die Zahl der verbleibenden Möglichkeiten, die nicht gewählt wurden, hochzuhalten und - vor allem - sie als immer noch wählbare Möglichkeiten zu erhalten, also ihre Kontingenz nicht durch Ideologien zu zerstören.

Die Einwände von Habermas richten sich immer erneut auf die Vermutung, die funktionale Systemtheorie könnte als unerhört leistungsfähige Sozialtechnologie dazu beitragen, Systeme zu errichten, die unzerstörbar stabil und damit gefährlich werden könnten. Abgesehen davon, daß solche Vermutungen mit einem Systembegriff als Analogie zu Ganzheit oder Totalität operieren und damit eben nicht den systemtheoretischen Begriff berücksichtigen, ist Stabilität für Luhmann keine Systemeigenschaft per se, sondern Relationsbestimmung von System-Umwelt-Systemen. Deren Stabilität ist höchst notwendig, wenn es auf der Welt überhaupt vieles und nicht nur eines, nämlich das Chaos des zweiten thermodynamischen Hauptsatzes geben soll, in dem alle Lebensdifferenzierungen verschwinden. Hier ist Stabilität eine Funktion zur Aufrechterhaltung gerade der unterschiedlichen, spezifisch ausdifferenzierten Weltzustände. Die nackte Totalität ist mächtig; um ihr gegenüber Konkretes und Bestimmtes lebendig zu erhalten, bedarf es höchster Stabilität.

Und hieran knüpft sich die Möglichkeit, erst noch die überzeugendsten Leistungen der Systemtheorie als einer Theorie der Gesellschaft zu formulieren (woran sich Luhmann sicherlich beteiligen wird): die Stabilität, die Erhaltung, die identische Reproduktion von System-Umwelt-Relationen, an die prinzipiell die Überlebenschancen der Gattung Mensch gebunden sind, und die Veränderung solcher Relation aufeinander beziehen zu können. Erhaltung und Wandel sozialer Systeme werden durcheinander bedingt bis hin zum heute vielfach schon erreichten Punkt, daß Wandel die einzige Form von Stabilität ist. Die Systemtheorie könnte eine Theorie gesellschaftlicher Evolution schaffen, die bereits operationalisierbar wäre.

Auf dem Wege dazu waren wir bereits vor 150 Jahren. Eine große Zahl von Bestimmungsformen, die der Systemtheorie als einer universalen Theorie der Gesellschaft noch fehlen, sind bereits erarbeitet. Und daß Luhmann so tut, als stünde nicht gerade er objektiv mit jeder seiner Überlegungen in dieser Tradition, ist wahrlich ein Skandal der Vernunft, den Habermas und andere auszuräumen sich bemühen. 

Gelänge das, bräuchte Luhmann nicht anläßlich der Entfaltung seiner Kategorie "Sinn" die Dialektik noch einmal zu erfinden; müßte er nicht den Wahrheitsbegriff auf die platte Invarianzgarantie eines MENDEL stützen, müßte nicht den KANTschen Vernunftbegriff desavouieren, aber zugleich selbst dessen Leistungen, die "Hervorbringung der höchsten Systemideen: Positivität, Welt, Sinn", mit dem Begriff "Medium" nochmals betreiben usw. usw. usw.

Je eher Luhmann, z.B. durch weitere Zusammenarbeit mit Habermas, sich selbst die Leistungen der alteuropäischen Tradition der Reflexion aneignen kann, desto weniger lebensbedrohende Denkkrämpfe anderer wird er auslösen - der Rezensent hofft ganz für sich.