Denkerei mobil: Gerüchteverbreitung als Form der Aufklärung – zum Erscheinen des Bandes „Kritik der kabarettistischen Vernunft“

im Berliner Lapidarium am Landwehrkanal

Kritik der kabarettistischen Vernunft. Ein autobiografisches Scherbengerücht | Berlin: Distanz, 2016.
Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

Nietzsche behauptete, Nüchternheit und Kälte seien die Tugenden der Vorurteilslosigkeit. Sein Pathos hieß Distanz. Distanz aber ist eine aristokratische Form der Nähe. Kritik ist eine Form der Anerkennung und Gegnerschaft ist eine Form der Vermeidung von Feindschaft. Alle diese Distanzgesten definiert die kabarettistische Vernunft. Seit 1900 hat sie die Führung der Erkenntnisanstrengung im Politischen, im Sozialen und häufig auch im Ästhetischen übernommen. Heute übertrifft Volker Pispers in jeder Hinsicht das Differenzierungsvermögen von Jürgen Habermas – soweit es um Fragen der Wirkung geht.
Mit Hegel überholte das Werden das Sein, mit den Kabarettisten überholt die Wirkung die Werke als Einheit von Entstehen und Bestehen. Die höchste Form der Wirksamkeit ist das Gerücht, das zwischen Geheimnis (schwarze Mystik) und Banalität (weiße Mystik) vermittelt. Aber das Banale bezeichnet etwas, das alle für selbstverständlich halten und deshalb als Problem nicht erkennen.

Autor Bazon Brock und Verleger Christian Boros stellen den Band „Kritik der kabarettistischen Vernunft. Ein autobiografisches Scherbengerücht“ vor. Der Textarbeiter Jörg Petzold liest Paradestücke.

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