Ich sammle Kunst, die ich nicht verstehe.

Fortsetzung der Veranstaltungsreihe „Ästhetik des Besitzens“ mit Christian Boros, Beat Wyss, Wolfgang Ullrich und Bazon Brock

Sammlung Boros | Berlin
Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

Fortsetzung der Veranstaltungsreihe „Ästhetik des Besitzens“ mit Christian Boros, Beat Wyss, Wolfgang Ullrich und Bazon Brock

Im Ranking der deutschen Sammler steht Christian Boros ziemlich weit oben. Seine singuläre Leistung ist es, seine Sammlungen in Bauten zu präsentieren, die ihrerseits sprechende oder programmatisch definierte Architektur sind. So liefert er mit dem Bunker in der Berliner Reinhardtstraße eine Synthese des 20. Jahrhunderts: unten Stahlbeton, wie er in der Architektur des Krieges gebräuchlich ist, oben die diaphane Struktur des Barcelona-Pavillons von Mies van der Rohe. Wie sprechend, dass die Baumeister des Militärs Genietruppe oder Sappeure heißen. Letzteres ist französisch für die Michelangelo-Disziplin der Steinhauerei.

In solchen Begriffen haust der Geist der Zeiten, zu dem Christian Boros offensichtlich einen engen Kontakt hält. Im Lapidarium, einem ehemaligen Pumpwerk am Landwehrkanal gelang es ihm, die dort aufbewahrten antiken Götterstatuen so zum Sprechen zu bringen, dass klar wird, warum die oberste Stadtgöttin Roms die cloaca maxima war. Boros verwandelt ein Pumpwerk der großen Berliner Abwässerkanäle in eine Herkulische Anstalt von Transformationen jeglicher Art. So wie Herkules die verdreckte Stadt des König Augias reinigte, transformieren Boros' Aktivitäten Leben in Kunst, Verpackung in Inhalt oder Gedanken in Bücher.

Wie bringt er das fertig? Das verrät seine Programmatik „Ich sammle Kunst, die ich nicht verstehe“: Er lässt sich auf das ein, was über seinen Verstand geht und deswegen seine Vernunft aktiviert.

Die genannten Kollegen kommentieren und ergänzen im Sinne der „Ästhetik des Besitzens“