Monika Fioreschy: Strip-Cut-Collage

Monika Fioreschy: Strip-Cut-Collage | München: Hirmer, 2016.
Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

Zerreißen, Zerschneiden, Zerfetzen, um durch Wiederzusammensetzung Neues zu schaffen: Bahn für Bahn trägt die österreichische Künstlerin Monika Fioreschy Streifen gerissenen Papiers auf Ihre Leinwände auf und schafft so großformatige abstrakte Arbeiten voll ausgeglichener Formsprache, die bei näherer Betrachtung ungeahnten Detailreichtum offerieren.

Papier ist das Hauptmedium des neuen Werkzyklus von Monika Fioreschy, wobei in der Reduktion der Materialien und Formen die Kraft ihrer Arbeiten liegt. Zeile für Zeile folgt das Auge dem Verlauf der Collagen, der Betrachter wird zum Lesen ihrer Kunst verführt. Die strenge Regelmäßigkeit der Werke wird durch Farbwechsel, Faltenwürfe, Lücken und Überklebungen unterbrochen, wobei sich der wahre Detailreichtum erst bei intensiver Betrachtung offenbart. Kunsttheoretiker Bazon Brock führt in seinem – die ganzseitigen Werkreproduktionen begleitendem – Essay aus, wie Fioreschys Ausbildung in der klassischen Webkunst sich in diesen Werken wiederfindet und welche Rolle die Arbeiten im weitere Œuvre der Künstlerin spielen.

Seite im Original: 23

Strip-Cut-Collage. Gedankenfelder

[Bazon Brocks Lyrismen stehen als Einzelzeile jeweils neben einer einseitigen Abbildung] 


Formate im Raum fließende Hilfsmittel

aus dieser Bewegung muß etwas entstehen

Man schießt Pfeile in die Sonne

Links weniger links vollends

Unverändert weißes Durchbluten

Kommt ein anderer und tut’s

Mathematik der Liebespaare – so viel methodisches Interesse

Mit einem Ausblick auf weite Gärten mich ein- und ausgraben

Mit Höhepunkten, an denen das Licht saugt

Neue Beleuchtung und allgemeine Theorie des Himmels

Dauert durchaus bis abermalig

Konstruktion im Universellen

Die den See im Halbschlaf umgraben

Nähert sich dem Gott durch den Mund

Wo die Luft strähnig auseinanderbricht

Der Besitzer darf wildern

Es scheint auch hier alles zu fliehen

Gehört zum Regen so gekonnt gerade

Die aus den Nebeln im Herbst dicke Milch machen

An einem sonnigen Tage im November

Dieser Punkt wird gehäutet

Und weicht das Meer, wo Beine ankern

Sakrale Schattierungen

Allgemeines Motiv des Schweigens

Es herrscht Grau im Gleichgewicht

In die Spitzen der Dreiecke weht der Lärm der Autohupen

Idee und Holz

Und zweistimmig dünngeblasen, was gemeinsam im Gange war

Liege dem mit Erscheinungen zugrunde

Er macht so großen königlichen Gebrauch

Maître de naissance, mein Grab ist ein Pyjama

Steintreiber Büschel salziger Haare sank und sank

Drohungen von schwarzer Wichtigkeit

Nutzlast der Novemberwolken

Für einen Tag könnte ich das Leben erfinden, für weiter reicht’s nicht

In der oberen Beugung

Und die sanfte Tiefe des Fleisches

Ein glänzendes Alleinsein

Für den Mond als weißer Anciennität unserer Gemüter

Gezwungene Traurigkeit verließ ich und begann das Strömende

Und wenn sich das Gehirn neue Bahne sucht

Wie Fallgesetze räumt er mit dem Streben auf

Einem handwarmen Foto quergelegt in mir

Sangbarkeit, besonders was die strömende Dämmerung betrifft

Die Wurzel ist es, die Dich trägt

Kann kaum an sich halten

Kein Verhältnis unberücksichtigt lassen

Melke sanft die Regenrinne

Eumeniden stricken das Meer Wolle der Wogen

Das Auffinden bezweckend

Entspannte Leinwand dieses Auges

Wo heute die Müdigkeit wahre Wunder vollbringt

Ich lasse den Schmerz in Mikrofone wechseln

Im Kampfgesicht des Fragmentarischen

Flammte dann strahlend in Asche auf

Unter aufständischer Helle

Ein Verlangen nach ganz ausrangierten rostzerfressenen Systemen

Auf einem Strom kochenden Pechs

Woher kommen die Himmelsrichtungen

Die junge Statue schwebt

Kugelgrüner Wind acht Monate alt

Hier haben die Ziegen schwarze Brüste

Und flog unter uns ein Taschentuch

Picassos Augenrost stark wasserhaltig

Das ist der Tod aus Mangel an Prinzip

In Lumpen entschiedene Bewegung