»Heiße Zeiten – Recherchen mit kühlem Kopf«. Über die Kunst, die Gegenwart zu recherchieren und den Journalismus der Zukunft zu finanzieren

Symposium in der Denkerei (17. & 18.11.2016)

Öffentliches Glühen | Denkerei, Berlin. Foto: © Christian Ankowitsch
Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

Am 17. und 18.11. 2016 findet in der Denkerei das erste Symposion von ‚Fleiß und Mut – Verein zur Förderung journalistischer Weiterbildung für hochqualitative Recherchen e.V.‘ statt. Dazu dürfen wir alle Interessierten herzlich einladen!

Eintritt: frei, Anmeldung jedoch erforderlich
Anmeldung bis 8.11.2016 an: symposion2016@fleissundmut.org

Gefördert von: Stiftung Mercator, ZEIT-Stiftung

Zum Programm des Symposions

Das zweitägige Symposion will eine Mischung aus nutzorientierten Workshop-Gesprächen und Keynotes bieten, die sich grundsätzlichen Fragen zeitgenössischen Journalismus’ widmen.

Keynotes

  • »Die Wahrheit? Egal! Wie JournalistInnen in unserer Nichtwissenwollengesellschaft noch sinnvoll recherchieren und publizieren können«
  • »Über den Umgang mit den eigenen Gefühlen und moralischen Werten. Und wann es eine berufliche Pflicht zur Kälte gibt«
  • »Warum die Lage zwar verzweifelt, aber keinesfalls hoffnungslos ist. Über realistische Möglichkeiten, Recherchen zu finanzieren und von welchen liebgewonnenen Gewohnheiten es dabei Abschied zu nehmen gilt«
  • Workshop-Gespräche (Auswahl)
  • Investigativjournalismus: »Wie man an geheime Akten kommt, was man damit keinesfalls machen sollte – und was schon«
  • Datenjournalismus: »Tortendiagramme, Säulenheilige, Zufälle. Die hohe Kunst, einem Haufen Zahlen soetwas wie die Wahrheit zu entlocken und in welche Fallen man nicht gehen sollte«
  • Recherche-Tools: »Deals, Darknet, Freundschaftsdienste – schwarzer Journalismus. Über krumme Wege, die ans Ziel der Recherche führen sollen und die Frage, ob der Zweck die Mittel heiligt«
  • »Was Sie immer schon über die geheimen Geldquellen für RechercheurInnen wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten. Über ein journalistisches Leben zwischen Corporate Publishing, Paninibildern und Hochglanzmagazinen, die das Recherchieren erst möglich machen«

TeilnehmerInnen (Auswahl)

  • Florian Klenk (Investigativ-Journalist [u.a. Panama-Papers], Chefredakteur »Der Falter« / Wien)
  • Eva Wolfangel (Wissenschafts- und Reportage-Journalistin, Stipendiatin für Datenjournalismus der »VolkswagenStiftung«)
  • Oliver Schroem (Investigativ-Journalist, »Panorama« ARD)
  • Kerstin Herrnkind (»stern«-Reporterin (Schwerpunkt Polizei und Justiz), Buchautorin)
  • Georg Streiter (stellvertretender Sprecher der Bundesregierung)
  • Silke Burmester (Medien-JournalistIn, Startup-Unternehmerin)
  • Christoph Niemann (Künstler, Illustrator, regelmässiger Mitarbeiter des »New Yorker« und »ZEIT Magazins«)
  • Pia Frey (Journalistin, Entrepreurin »opinary.com«)
  • Frank Lobigs (Medienökonom, Professor am Institut für Journalistik der TU Dortmund, Schwerpunkt »Wirtschaftliche Grundlagen des Journalismus«)
  • Armin Wolf (stellvertretender Chefredakteur der »ORF«-TV-Information, Moderator der »ZIB 2« / Wien)
  • Mitglieder der Teams, die ein »Kartographen«-Stipendium erhalten haben

Zum Hintergrund dieses Symposions

Turbulente Zeiten für Journalistinnen und Journalisten. Dazu trägt die aktuelle politische Situation ebenso bei wie die anhaltende gesellschaftliche Kritik an den Medien und die bange Frage, wie seriöser und qualitativ hochwertiger Journalismus in Zukunft zu finanzieren sei. Diese Gemenge-Lage hinterlässt deutliche Spuren: Viele JournalistInnen sind verunsichert oder fühlen sich in ihrer täglichen Arbeit eingeschränkt; immer öfter sind die Ressourcen für aufwendigere Arbeiten nicht mehr vorhanden.

So unterschiedlich die Antworten auf die aktuelle Lage auch sein mögen – einer Sache sind wir uns sicher: »Die Recherche ist die erste Pflicht des Journalismus«, wie Wolf Schneider & Paul-Josef Raue schreiben. Also die Bemühung, dem Gegenstand der Berichterstattung mittels akribischer Untersuchung auf den Grund zu gehen – vorurteilsfrei, mit kühlem Kopf, ohne sich mit einer Sache gemein zu machen, »auch nicht mit einer guten« (Hajo Friedrichs).

Und schließlich in einer seriösen Weise davon zu berichten, so dass die Leserinnen und Leser in die Lage versetzt werden, das jeweilige Thema in seiner ganzen Komplexität zu durchdringen und sich anschließend eine eigene Meinung zu bilden.

Um die Bedeutung der Recherche hervorzuheben und möglichst viele JournalistInnen in ihrer Überzeugung von deren Unverzichtbarkeit zu bestärken, schreibt der Verein »Fleiß und Mut« seit 2016 alljährlich bis zu fünf hochdotierte Weiterbildungs- und Praxis-Stipendien aus.

Das Symposion »Heiße Zeiten – Recherchen mit kühlem Kopf« knüpft daran an. Und das mit folgenden Zielen. Den Besuchern soll Folgendes geboten werden:

  • Unmittelbar anwendbare handwerkliche Kenntnisse, die die TeilnehmerInnen in die Lage versetzen, ihre Recherchetechniken zu verfeinern und zu perfektionieren
  • Konkrete Lösungsansätze, wie RechercheurInnen mit all jenen neuen Herausforderungen umgehen können, die in der aktuellen gesellschaftlichen und politischen Lage auftauchen (Stichworte: zunehmende Komplexität, Vorwurf der »Lügenpresse«, Spaltung der Gesellschaft)
  • Raum und Zeit, sich mit erfahrenen JournalistInnen und ExpertInnen auszutauschen, Rechercheerfahrungen zu teilen und sich zu vernetzen
  • Valide Erfahrungsberichte von »Machern« journalistischer Startups
  • Antworten auf die Frage, wie größere und große Recherchen auf neue Weise finanziert werden können

Das Symposion wendet sich an folgende JournalistInnen:

  • die an dem von »Fleiß und Mut« initiierten und durch die Stiftung Mercator geförderten Recherche-Stipendienprogramm »Kartographen« teilnehmen
  • mit mehrjähriger Erfahrung, die ihre Kenntnisse in Sachen Recherchen erweitern wollen
  • die bereits einige Zeit ein Medien-Startup betreiben und Erkenntnisse über Refinanzierungsmodelle von Qualitäts-Journalismus gewonnen und mit anderen teilen wollen
  • die kurz davor stehen, ein Medien-Startup zu gründen

Das konkrete Symposion-Programm
ist hier zu sehen: www.fleissundmut.org