Denkerei: Schlafende Bilder

Eine philosophische Siesta mit Marina Seretti, Raphael Koenig und Bazon Brock

Giorgione, Schlummernde Venus, um 1508/10  | Öl auf Leinwand, 108 × 174 cm, Gemäldegalerie Dresden
Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

„Einzuschlafen, heißt zu vergessen”, schrieb Paul Valéry, ins Unbewusste zu gleiten, sich ihm hinzugeben. Im mittelalterlichen Abendland war die Figur des Schlafenden mit schlechten Attributen beladen: Sünde, Faulheit, Verschwendung, Nachlässigkeit, Unwissenheit, Melancholie, Verzweiflung, Häresie ... In vielerlei Hinsicht sind wir immer noch dieser negativen Vorstellung verhaftet und betrachten den Schlaf häufig als verlorene, verschwendete, unproduktive Zeit.

Dennoch haben, zumindest seit der Renaissance, Künstler und Philosophen begonnen, sich mit dem Schlaf zu befassen, aus dem sie wie aus einer unerschöpflichen Quelle vielfältige und wirkmächtige Bilder der menschlichen Existenz hervorholten.

In diesem dunklen Teil unseres Lebens, den wir schlafend verbringen, haben sie vielfältige Figuren und Metaphern gefunden: die des Glaubens und des Vertrauens (Johannes während des Letzten Abendmahls), die des Begehrens und der Inspiration (Schlafende Venus, Nymphen an der Quelle), die des Todes und der Tröstung (Luther und der Schlaf der Seele).

Eine solche aktive Erfindungskraft im und durch den Schlaf wiederzuentdecken, kündigt sich darin für uns andere, „diese selbst für das Träumen zu müd gewordnen Lebensmüden“ (Nietzsche), in der Form des Versprechens und seiner Kehrseite, der Herausforderung, an.

Im Anschluss Diskussion mit Marina Seretti, Raphael Koenig und Bazon Brock.

Zur Person:

Marina Seretti ist Philosophin und Kunsthistorikerin und lehrt an der Universität Bordeaux. 2015 legte sie ihre Dissertation zum Schlaf in der Kunst und Philosophie der Renaissance an der Universität Sorbonne Paris vor.

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