Thomas Schriefers: Im Kopf des Architekten. Collagen, Zeichnungen

Ausstellung, 03.09. – 03.11.2017

Thomas Schriefers, Kopf eines träumenden Architekten 3, 2003 | Collage / Mischtechnik auf Leinwand, 140 x 100 cm
Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

„Kaune Contemporary zeigt Collagen und Zeichnungen von Thomas Schriefers.

Der 1964 in Wuppertal geborene Thomas Schriefers absolvierte sein Architekturstudium 1990 an der RWTH Aachen, wo er 1995 promovierte. Seit 1996 erfüllt er verschiedene Lehraufträge wie etwa „Praxis der Fotomontage“, „Temporäres Bauen und Gestaltungslehre“ und „Architekturgeschichte“ in Köln und Wuppertal.
Seine Kontinuität als Zeichner sowie seine wissenschaftlichen Bildrecherchen und die schiere Ansammlung von Stoff führten Thomas Schriefers schon früh zu seinem eigenkünstlerischen Schwerpunkt: der Collage. Initiiert wurde diese Hinwendung bereits 1982 durch einen Studienaufenthalt bei dem englischen Grafiker und Bildhauer Eduardo Paolozzi (1924–2005), den er als einen seiner Lehrer bezeichnet. Der Begriff der Collage ist dem französischen „coller“ (= kleben) entlehnt. Collagieren bedeutet, mit verschiedenen Elementen Nachbarschaften auszubilden, die Konsequenzen haben, die Einfluss aufeinander nehmen.
Die Artikulation der Zeichnung – seiner Zeichnung – und die collagierte Zusammenfügung verschiedener Teile sind gekennzeichnet durch eine Lust am Durchdringen von Räumen in Bildern und am potentiellen Eingriff in die wahrgenommene Welt. Dabei ist das Bild ebenso real wie der fertige Gegenstand oder die gebaute Architektur. Schriefers spricht vom „Raumrausch“, dem er im Prozess des Herstellens einer Collage verfällt; sich alle Freiheiten nehmend, die verschiedenen Artikulationsmöglichkeiten auszuschöpfen und miteinander in ein Verhältnis zu setzen.
Die Collage kann Konflikte bewusst machen, etwa in der unmöglichen Maßstäblichkeit verschiedener Teile oder im Kontrast der Elemente und damit auf reale Konflikte – etwa im Städtebau – hinweisen, sie kann Grenzen aufzeigen und Brücken bauen. Sie kennt weder die Angst vor den Konsequenzen noch vor dem endgültigen Ergebnis. Er habe formal bestechende Architektur zu oft an der Bauaufgabe scheitern sehen, weshalb er in der Collage disparate Wechselwirkungen erprobe. Gerade weil die Collage die Freiheit des dekonstruktiven Nebeneinanders verschiedener Teile für sich beanspruche, könne sie konstruktiv wirksam werden. Darin verbirgt sich auch eine Absage an die Postmoderne und deren gleichgültiges Neben- und Miteinander. Mit seinem Buch „Wechselwirkungen. Anschauliches Denken – Vergleichendes Sehen“ hat Thomas Schriefers eine vorläufige Summe seiner über das Prinzip der Collage gewonnenen Erkenntnisse gezogen.“

STEFAN KRAUS

Sollbruchstellen in Kunstwerken

Bazon Brock spricht über die collagierte Welt des Thomas Schriefers