„Das gewöhnliche Design“

Ausstellung des Fachbereichs Gestaltung der Fachhochschule Darmstadt (23.10.-21.12.1976)

Widmung: Den Dioskuren für Friedl und Ohlhauser für ihre Schlacht auf der M[athilden]höhe 23. Oktober 1976. Bazon Brock. Zusammen gegen die gute Form des Bedeutungslosen. | Darmstadt, 23.10.1976 Das gewöhnliche Design | Ausstellung, Darmstadt, Eröffnung 23.10.1976
Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

"Das gewöhnliche Design" war eine Ausstellung, die der Fachbereich Gestaltung der Fachhochschule Darmstadt vom 23. Oktober. bis 21. Dezember 1976 veranstaltete. Anlass war ein Rückblick auf 70 Jahre Designausbildung in Darmstadt. Am 1. Januar 1907 waren die "Großherzoglichen Lehrateliers für angewandte Kunst zu Darmstadt" gegründet worden, als deren Nachfahre sich der Fachbereich versteht. Thematischen Ausschlag gab die gleichzeitig stattfindende große Darmstädter Jugendstil-Ausstellung zum 75jährigen Jubiläum der ersten Künstlerkolonie-Ausstellung von 1901. Die Darstellung der augenblicklichen Situation der Gestaltung von Umweltform sollte über den Erfolg des mit sehr viel Enthusiasmus zur Kulturerneuerung angetretenen Jugendstils entscheiden.

Die Ausstellung "Das gewöhnliche Design" war die Antwort, die die Geschichte selbst auf die Jugendstilhoffnung eines ästhetisch durchwirkten Lebens gab. Und sie war die provokatorische Frage an die veranstaltende Ausbildungsstätte - und alle, die mit Design zu tun haben -, warum ihr funktionaler Gestaltungswille ausgerechnet dort am selbstverständlichsten verwirklicht ist, wo die Designer am wenigsten eingegriffen haben. Sie machte damit auf einen Aspekt aufmerksam, der bisher in der Theoriebildung des Designs vernachlässigt wurde.

Ästhetik in der Alltagswelt

Vortrag zur Ausstellungseröffnung

„Eine Ausstellung von konträrer Art präsentierte der Fachbereich Gestaltung der FH Darmstadt. [...]. Mit ihrer Ausstellung – Das gewöhnliche Design – gelang es ihr jedoch, einen Kontrapunkt und ein für eine Design-Ausbildungsstätte bemerkenswertes Understatement zu inszenieren. Denn gezeigt werden von keinerlei Design-Ambition angehauchte, ebenso triviale wie verläßliche Gegenstände des täglichen Lebens, die auch in geräumigen Plexiglaskuben ihren gewöhnlichen Charakter nicht verlieren. So sinnfällig die Ausstellung selbst auch aufgebaut ist, einige wenige erläuternde Texte hätten ihr nicht geschadet.
War man durch den Besuch dieser Ausstellung bereits wieder in die Alltagswelt eingestimmt, erhoffte man sich von Bazon Brock zum Thema – Ästhetik in der Alltagswelt – Weiterungen. Der Referent vermochte zwar eine Reihe kühner Denkanstöße zu liefern, von denen die Aufforderung, Objekte nicht mehr ausschließlich nach funktionalen Determinanten zu gestalten, sondern in ihrem Design Offenheit und Unbestimmbarkeit walten zu lassen, um eine neue Form des Bedeutungwerdens und damit eine neue Form der Kommunikation zu ermöglichen, sicherlich die provozierendste war. Leider stand Bazon Brock entgegen den ursprünglichen Erwartungen für eine Diskussion nur kurze Zeit zur Verfügung, die zweifellos, hätte sie länger gedauert, jene Aufforderung auf die Ebene des Sinnvoll-Machbaren heruntergeholt hätte.
So tauschten denn die Teilnehmer, umrahmt von einer Architektur-Ausstellung des Instituts für neue technische Form, ihre jeweilige Interpretation Brockscher Denkanstöße untereinander aus, was dem Umsatz am Buffet und Ausschank freilich keineswegs abträglich war.“
(aus: FORM, 76/1976, S. 71)