BESUCHERSCHULE d 7

Die Hässlichkeit des Schönen - Spaziergänge Tempelgänge Paradegänge

Besucherschule zur d7 | Titelseite
Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

Fotos: Lothar Koch. Verantw.: Walter Spötter
Besucherschule zur Documenta 7: Die Hässlichkeit des Schönen

  • Spaziergänge durch die Ausstellung – Im Gehen sehen
  • Tempelgänge in der Documenta – Im Sehen verstehen
  • Paradegänge zur d 7 – Im Verstehen weggehen

Seite im Original: 107

Besucherschule d 6, 1977

(Videobildschirm, links und rechts je 2 Diaprojektoren).
Die im Heft abgedruckten Fotos sollen nur die Erinnerung stützen; Farbreproduktionen s. Katalog d 6.

Negerkind mit Urwaldkleid vor Bilka Kaufhaus fragt eine Passantin:

"Wotu mati na alu?"
"Was meinst Du denn, zeig mal,"
"Wotu mati na alu?"
"Na, was meinst Du denn, sag doch noch mal, Gott wo kommt denn der her?"

Dasselbe Negerkind in Hessentracht zur Passantin:
"Wotu mati na alu ... gell, da staunst, daß ich hessisch babbele ka, das möcht Dir so passe, daß Du mich net verstehen mußt."

Brock als Kellner im Lokal d 6. Ein männlicher Gast:

"Herr Ober",
"Ja",
"Kommen Sie doch bitte mal her",
"Bitte schön",
"Sagen Sie mal, ich habe hier Gulasch bei Ihnen bestellt ..."
"Das habe ich Ihnen doch auch gebracht".
"Das ist kein Gulasch",
"Doch, das ist unsere Art, Gulasch zu bereiten".
"Das ist weder Fleisch noch sonst etwas; es schmeckt eher wie Sauerkraut".
"Ja, unser Koch hat eben Gulasch sehr stark mit Sauerkraut gemacht, damit es eine andere Geschmackskomponente bekommt".
"Entschuldigen Sie mal, ich habe das nicht bestellt".
"Doch, Sie haben Gulasch bestellt".
"Ich habe aber kein Gulasch bekommen".
"Oh doch, Gulasch, wie wir es machen".
"Hören Sie mal zu, wollen Sie mich eigentlich auf den Arm nehmen?"
"Oh nein, ich kann Ihnen doch nur das bringen, was wir als Gulasch haben".
"Hören Sie mal zu, wenn ich hier in ein Lokal komme und erwarte Gulasch, was ich bestelit habe, dann erwarte ich nicht, daß Sauerkraut auf den Tisch kommt".
"Ja, aber wir können Ihnen nur das geben, was wir kochen, nämlich unsere Art, Gulasch zu machen. Es gibt eben nun mal verschiedene Arten, Gulasch zu machen".
"Hören Sie mal zu: Wenn ich jetzt bestelle und gebe Ihnen gebrauchte Kinokarten, sind Sie damit zufrieden, wenn ich Ihnen sage, das ist Geld?"
"Ich hoffe, Sie werden mit Geld bezahlen, Geld ist Geld, aber Gulasch kann auf sehr verschiedene Arten bereitet werden".
"Aber wieso, ich sage Ihnen, das ist Geld".
"Ja, kommen Sie denn nicht in unser Restaurant, weil wir eine ganz besondere Art haben, Gulasch zu machen? Sonst brauchen Sie doch gar nicht hierher zu kommen".
"Hören Sie mal, das ist Betrug".
"Nein, das ist Gulasch".
"Nein, das ist kein Gulasch, das ist Betrug. Holen Sie mal den Geschäftsführer".
"Bitte schön".

Dieselben am gleichen Ort:

"Herr Ober, kommen Sie mal her, bitte".
"Ja bitte ... "
"Hören Sie mal, ich habe vorhin bei Ihnen Gulasch bestellt."

"Ja, ich habe Ihnen auch eines gebracht."
"Meinen Sie wirklich?"
"Oh ja, das ist unsere besondere Art ... "
"Das sieht aber nicht aus wie Gulasch, schmeckt nicht wie Gulasch, sondern eher wie Sauerkraut oder etwas Ähnliches."
"Es mag zwar nicht so aussehen, aber es ist eine besondere Art, Gulasch zu bereiten."
"Wollen Sie mich auf den Arm nehmen?"
"Oh nein, ganz und gar nicht."
"Es entspricht nicht meinen Erwartungen. Wenn ich in ein Lokal komme und bestelle Gulasch und bekomme etwas anderes serviert ..."
"Ist es nicht schön, daß Sie etwas Anderes bekommen, als Sie erwartet haben, sonst brauchten Sie gar nicht zu uns zu kommen".
"Ja, das stimmt. Es hat mir wirklich ausgzeichnet geschmeckt".
"Aha, schön, ich werde es dem Koch sagen".
"Wenn ich die Speisekarte aufmache und bestelle bei Ihnen Omelette, französische Art, Bauernteller, Champignonmus, dann bekomme ich wahrscheinlich auch etwas Anderes. Aber wissen Sie, es gefällt mir eigentlich in Ihrem Lokal".
"Eben, das ist unsere spezielle Art, Speisen zuzubereiten".
"Hervorragend, das gefällt mir".
"Danke schön".
"Bringen Sie mir noch eine Portion".