Frankfurter Ring-Fibel

Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

4 Die Brust als Organ der Anpassung

Das Einverleiben durch den Mund ist die erste der intensiven Einverleibungstechniken, die der Mensch ausbildet. Als erstes Angebot dafür kommt nur die mütterliche Brust in Frage. Weitgehend wird hier schon bestimmt, in welcher Form sich das Kind später den Zugriff auf die Welt erwirbt. Eine erste und auch fatale Konditionierung des Kindes findet beim Aneignen von Welt durch den Mund auf dem Wege der Nahrungsaufnahme statt. Jede Unebenheit, jedes Verzögern, jedes Zubeißen, jedes Festsaugen wird durch Entzug der Brust geahndet, bis das Kind lernt, sich den Bedingungen anzubequemen, um ungestört, angepaßt leben zu können. Bei solcher Passivität dann kann es allerdings alles von einer Situation erwarten, wird die Hingabe belohnt.

Es sei erinnert, daß sich die Karikaturisten der Konsequenzen solchen frühen Anpassens häufig so annehmen: sie zeigen ein gewaltiges Weib, dessen Gatte mit zehengestreckten Beinchen seinen Mund gerade in die Höhe der Gattinbrüste zu bringen versteht.

In der Tat leitet sich heute eine große Zahl von intersubjektiven Beziehungen aus den Beziehungen der Babys zu den Brüsten ihrer Mütter ab (Phänomene des Mamitums in USA, ablesbar am Volumen der wöchentlich neu publizierten Pin-up-Girls).

Für das Kind ist gewährte Nahrungsaufnahme immer die Lösung einer von Unlust begleiteten Situation. Die Reaktionen des erwachsenen Mannes werden sich deshalb häufig zurückwenden auf eine analoge Möglichkeit. Statistisch ist nachzuweisen, daß die in Karikaturen gemeinten Männer tatsächlich Frauen haben, die mit überdurchschnittlich großen Brüsten ausgestattet sind.