Frankfurter Ring-Fibel

Button Kolleg 1

Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

4. Lektion

Mit der Ableitung der heutigen Meinungsknöpfe aus der historischen Erscheinungsform von militärischen Unterscheidungsmerkmalen und Zuordnungszeichen ergibt sich auch ein Hinweis auf die Funktion der Meinungsknöpfe von heute. Wenn man etwas großzügiger denkt, wird man zugestehen können, daß wir die Kunst oder Wissenschaft, sich in den Bedeutungen solcher historischer Zuordnungszeichen auszukennen, einfach unter dem Begriff Heraldik zusammenfassen. Aus diesem Bereich der Wissenschaft ist bekannt, daß sich die mittelalterlichen Herren gewisse Zeichen zulegen mußten, an denen sie sich selber als Freund und den anderen als Feind erkennen konnten. Da es in solchen Konstellationen noch nie auf die Gesichter angekommen ist, die zudem noch durch Ausrüstungsgegenstände aus Eisen verdeckt waren, blieb kein anderer Weg zur Unterscheidung von Freund und Feind als der des sichtbaren Meinungsäußerungsfeldes auf dem Schild oder auf dem Arm oder auf der Brust. Dieses Meinungsäußerungsfeld (bekannt als Wappen) besagte: "Ich gehöre zu dem und dem, und wenn Du nicht auch dazugehörst, dann können wir uns unbedenklich umbringen." Wenn einer dann auch sagte "Ich gehöre zu Euch", hatte er sich doch immer noch zu vergewissern, wer denn diese 'Euch' oder 'Wir waren. Und wer unter diesen 'Wir' war, erhielt ein Meinungsäußerungszeichen, welches seinen Rang angab, den Platz in der Hierarchie der Abhängigkeiten und Unterordnungen. Der Rang war um so genauer bestimmt und deshalb auch um so höher, je mehr Zeichen einer trug. Nur ganz oben an der Spitze, wo nur mehr einer stand, brauchte kein Zeichen mehr getragen zu werden, denn der Einzige ist mit niemandem zu verwechseln. Deshalb ist es kein Zeichen von Demut oder Bescheidenheit, wenn sich die obersten Heerführer oder Parteibonzen schmucklos zeigen. Erst durch die Zeichen- und Schmucklosigkeit werden sie unverwechselbar.

Überträgt man dieses Schema direkt auf die Lebensumgebung heutiger Meinungsknopfträger, so müßten in den Meinungen sich folgende Unterscheidungen treffen lassen: Parteiungszeichen als Zuordnungszeichen im Sinne der Kennzeichnung einer Großgruppe (Partei oder Klasse oder Kaste oder Subkultur); es müßten unterscheidbar sein die Rollenränge der Meinungsknopfträger innerhalb dieser Zuordnungsgruppen; und es müßte das Ziel, die Vorstellung des Zieles der Meinungsknopfträger, sichtbar werden, so wie in den Zuordnungszeichen der Militärs auch das Ziel sichtbar ist:
Krieg zu führen.

Wenn man das Meinungsmaterial von den Meinungsknöpfen herunterholt und in diesem Sinne ordnet, dann ergibt sich ungefähr folgendes Bild (unterschieden voneinander sind als Zuordnungsgruppen):

  • die Hippies,
  • die Philosophen,
  • politische Parteiungen,
  • die kriminellen Subkulturler,
  • Integrierte und Angepaßte mit der Sehnsucht zurück,
  • Spaßvögel und Kulturkritiker,
  • Daß sich mit solchen Gruppentypen keine funktionierende Gesellschaft beschreiben läßt, ist klar. Im Sinne der Zuordnung und Modifizierung des in der Zuordnung gezeigten Verhaltens ergibt das Material wenig.

Besinnen wir uns darauf zurück, daß sich aus der Art der Befestigung der Buttons oder Meinungsknöpfe gewisse Schlüsse ziehen lassen, daß nämlich Buttonträger offensichtlich darauf aus sind, möglichst schnell den Button und mit ihm die Meinung zu wechseln, so kann wohl abgewogen und in aller Verantwortlichkeit gesagt werden:

Die Meinungsknöpfe haben ganz offensichtlich die Funktion, jede Form von Kennzeichnung, von Zuordnungsmerkmalen usw., wie sie aus der Geschichte der Meinungsknöpfe bekannt sind, unmöglich zu machen. Es soll offensichtlich durch das Tragen der Meinungsknöpfe denen der Kopf, als Sitz der Meinung, verwirrt werden, die von sich sagen, daß sie eine Meinung hätten und mit anderen einer Meinung seien.

Merke und lerne: der moderne Meinungsknopf ist offensichtlich eine Einrichtung zur Auflösung und Zerstörung von Meinungen.