Architekten Schweger & Partner

Bauten und Projekte, 1990-1998

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Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

Februar 2000

Seite im Original: 213

Felder und Räume.

Der Erweiterungsbau des Niedersächsischen Sparkassen-und Giroverbandes mit seiner Sparkassenakademie

Was eine lebendige und wirkungsvolle Architektur auszeichnet, ist ihre ästhetische Qualität. Diese Qualität besteht als ein spannungsreiches und vieldeutiges Verhältnis zwischen der Architektur als Vorstellung und der Architektur als realer Raumerfahrung. Die Architektur als Vorstellung haben Schweger+Partner als konstruktivistische Komposition in einem zweidimensionalen Bild entwickelt. Diese Komposition wurde dann in einen Grundriß des zu realisierenden Baues übersetzt. Eine produktive, ja schöpferische Übersetzung ist aber niemals eine formale 1:1-Übertragung. Um die Qualität des Baues tatsächlich erfahren zu können, sollte der Nutzer und Bewohner an jedem Ort im Bau das Bild der komponierten Formideen als eigene Vorstellung abrufen können, um so die ästhetische Spannung zwischen abstraktem Bild und konkretem Raum zu erleben. Der Grundriß orientiert den Betrachter auf den realen Bau; die konstruktivistische Bildkomposition orientiert den Betrachter auf die Vorstellung eines dynamischen Gefüges geometrischer Grundformen, also auf Formideen.

Einer grandiosen Manifestation solcher ästhetischen Qualität der Architektur von Schweger+Partner begegnet der Betrachter und Nutzer des Baus in der 96 m langen inneren Fassade durch Ulrich Erben. Einerseits kennzeichnet Erben diese den gesamten Komplex durchziehende Wand als eine abstrakte Komposition von Farbfeldern, andererseits konkretisiert er sie zu Vorstellungen oder Erinnerungen, die der Bedeutung nach Pfeilerhalle und Triumphbogen, Bühnenvorhang und szenische Kulisse, Regenbogen und "geputzte Flur" (Osterspaziergang: "Aber die Sonne duldet kein Weißes, überall regt sich Bildung und Streben, alles will sie mit Farbe beleben.") sein können. Erben fordert vom Betrachter und Nutzer, vor der farbigen Fassade solche Assoziationen zu leisten. Das fällt vielen Menschen schwer, weil die Wandgestaltung keinerlei Anhaltspunkte etwa als Illustration von Erinnerungen offeriert.