Aktionstheater im Rahmen der Experimenta 4

Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

(technische Realisation: die Firma Siemens und das Ehepaar Trübstedt)

Meeresrauschen. Eine Großraumbeschallung

Die Frankfurter Hauptwache und die sie umlaufenden Straßenzüge wurden mit Großraumbeschallungsanlagen in solcher Dichte bestückt, daß an jedem Punkte des Areals die Passanten und Verkehrsteilnehmer erreicht werden konnten. Das heißt, während der Bewegung durch das Areal blieben die Passanten stets innerhalb der Beschallungszone.

Die über die Anlage abgestrahlten Programme (sie wurden von dem Ehepaar TRÜBSTEDT technisch realisiert) überlagerten die auf dem Platz üblichen Verkehrsgeräusche, obwohl diese Programme im wesentlichen aus der Wiedergabe von Meeresrauschen, Vogelstimmen, Abendgewitter, Pferdehufgetrappel usw. bestanden.

Mit diesem vier Tage dauernden Versuch sollte erprobt werden, ob man unter Bezug auf wahrnehmungspsychologische Gesetzmäßigkeiten eine bisher nicht bedachte Lösung für die Eindämmung des Großstadtlärms einsetzen könne. Das in gewisser Weise paradoxe Resultat: Die befragten Passanten wurden durch die Überstrahlung erst für das Problem Lärmbelästigung sensibilisiert und lehnten diesen Versuch mit der Begründung ab, sie würden auf diese Weise ständig auf die Unwirtlichkeit dieser Stadt aufmerksam gemacht. Diese Erklärung ist in einem erstaunlichen Maße spitzfindig. Offensichtlich will man den aufgezwungenen Großstadtlärm unbedingt als natürlichen akzeptieren dürfen, da ja eh niemand daran glaubt, mit der großstädtischen Lärmbelästigung fertig werden zu können. Die in den sonntäglichen Erholungsreisen erlebte Natur (in ihren Geräusch- und Lautmanifestationen) wird als Kontrast nur genossen, wenn man sie aus der Alltagserfahrung vollständig ausklammern kann.

Fazit: Wenn man nicht darf, was man möchte, erleichtert man sich den Zwang, indem man das eigentlich Gewünschte schlecht macht und ablehnt.