Kotflügel/Kotflügel

erster lyrikband

Bazon Brock "Kotflügel Kotflügel" | (Titelblatt) Direktor der Natur, Widmung in "Kotflügel, Kotflügel" Direktor der Natur, Widmung in "Kotflügel, Kotflügel" | bearbeitete Fassung
Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

Brocks Karriere begann 1957 mit der Veröffentlichung eines Gedichtbandes: Kotflügel, Kotflügel. Damals nannte sich Brock noch Bazon Phönix Phlebas Brock.

Die frühen Gedichte drehten sich vor allem um das Thema Sprache. Brock wollte aufzeigen, daß Sprache nicht nur ein Werkzeug ist, mit dem man Informationen übermitteln kann, sondern daß Sprache unabhängig von Bedeutungszuweisung über eine eigene Ästhetik und Autonomie verfügt. Die Sprache ist sich sozusagen selbst genug. Der Sprechakt bedient sich der Worte, um sich zu formieren. Brock entwickelte in der Folge Theorien des automatischen Sprechens, wobei es darauf ankam, zu zeigen, daß die Form des Sprechens das Entscheidende ist, "denn wir verstehen ja Sprache nicht als Ergon, sondern als Energeia".

S. 18-19

[S.18]

                                              geistig kriminell
                                              hinter Schleiern und Überwurf
                                              crêpe du rêve

                                              das ist der Tod aus Mangel
                                              an Prinzip
                                              im Kampfgesicht des Fragmentarischen


Entsteigen Aufschwung säuft sich voll mit Worten
und lädt mich auf eine Fläche ein

     verhalten gepflastertes Weiß
     den Ruhmeshymnen keine Worte hinzufügen

     Dido tanzt den Mord Mlakar
Haardolche
     müde Vorsehung Wort in neun Buchstaben
     einem mitternächtlichen Gott um den Bauch gelegt
Ursache und Wirkung bewegen nicht einmal mehr die
     elektrischen Stühle


in der französischen Revolution wurden die Fischteiche abgelassen und die Adligen gingen in Flammen auf

Kosmos relative Bewegung wo Saint Magnus Märtyr ballt hier haben die Ziegen schwarze Brüste
brach in Lachen aus bis mir die Negerinnen einfielen

[S.19]

hier schlafen die Geheimnisse stehend
mit abgeschlagenen Händen


die Sprache fährt fort
meinen Schlaf zu formulieren
aber durch Rhythmus gefährlich

verschwindet bis über die Ohren in einer Säule
durch eine Drehung auf dem Absatz

Windrichtung von nirgendwo
erkläre das Meer zum Nachfolger an diesem Körper
hingegeben im knatternden Gras

Eindrücke eines Zeitwertes darstellen
langhaarige Sonnenhöhe
fragte mich nach etwas auf meiner Haut

rollte die Fünffingerspeiche bergan

der Speichel dampfte
rollte den Staub auseinander
lächelte sah sie leichtfertig an ihren Höhensteuern arbeiten