Kotflügel/Kotflügel

erster lyrikband

Bazon Brock "Kotflügel Kotflügel" | (Titelblatt) Direktor der Natur, Widmung in "Kotflügel, Kotflügel" Direktor der Natur, Widmung in "Kotflügel, Kotflügel" | bearbeitete Fassung
Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

Brocks Karriere begann 1957 mit der Veröffentlichung eines Gedichtbandes: Kotflügel, Kotflügel. Damals nannte sich Brock noch Bazon Phönix Phlebas Brock.

Die frühen Gedichte drehten sich vor allem um das Thema Sprache. Brock wollte aufzeigen, daß Sprache nicht nur ein Werkzeug ist, mit dem man Informationen übermitteln kann, sondern daß Sprache unabhängig von Bedeutungszuweisung über eine eigene Ästhetik und Autonomie verfügt. Die Sprache ist sich sozusagen selbst genug. Der Sprechakt bedient sich der Worte, um sich zu formieren. Brock entwickelte in der Folge Theorien des automatischen Sprechens, wobei es darauf ankam, zu zeigen, daß die Form des Sprechens das Entscheidende ist, "denn wir verstehen ja Sprache nicht als Ergon, sondern als Energeia".

S. 26-27

 [S.26]

Der Himmel wußte auch nichts mit sich anzufangen bummelte über mir in seinen Befürchtungen
Wolken mein Köder den ich auswarf


schreibe engverknüpfte Fragezeichen
auf schwunghaftem Gelb
summarisch Gelb
sechs Schwellen Öl
kühle Strecke nach oben hin
Sinnzunahme
Synästhesie der Lieblingsgedanken
der leichten Umstände

                                   Bilder zur Einübung
                                                          durchs Morgenrot
                                                          durchs Badesalz filtriert

Verstrickt ins Haargestänge du synkopierst
mich im Badeanzug auf Schloß B. eine verschobene
Hüfte und einen Kopf zusätzlich auf mir an geheimer
Stelle sehe ich neidisch diese Hurerei am sanft
flautengepriesenen windgefalteten Himmel
diese Wolken dieses Blau arrivé
die abgerundeten Artikel
          zum Staunen

Die Sturmhaube der Dürre verwandelt sich in eine
Gießkanne ein Geschlechtswort in ein Hintergestell
Der Morgen der schwangeren klösterlichen Sprechgitter
Verwandlung des Fleisches
Komm tiefer komm tiefer komm melde mein Wort ab ….

[S.27]
                                       der nächste Taxiausflug führte mich ins
                                                                                                Thema

Abschiedskanal

Kristall meine fehlgeschlagene

zwischen schiefen Winkeln liegt
windige Muschel Schenkel

splendid eine Wiederkehr zart und straff
Moll abgeschliffener Mund beneidenswert

ich wollte noch ein wenig über den Horizont sehen

      Steintreiber
             Büschel salziger Haare
             sank und sank
      wie Fallgesetze räumt er mit Stäuben auf