Kotflügel/Kotflügel

erster lyrikband

Bazon Brock "Kotflügel Kotflügel" | (Titelblatt) Direktor der Natur, Widmung in "Kotflügel, Kotflügel" Direktor der Natur, Widmung in "Kotflügel, Kotflügel" | bearbeitete Fassung
Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

Brocks Karriere begann 1957 mit der Veröffentlichung eines Gedichtbandes: Kotflügel, Kotflügel. Damals nannte sich Brock noch Bazon Phönix Phlebas Brock.

Die frühen Gedichte drehten sich vor allem um das Thema Sprache. Brock wollte aufzeigen, daß Sprache nicht nur ein Werkzeug ist, mit dem man Informationen übermitteln kann, sondern daß Sprache unabhängig von Bedeutungszuweisung über eine eigene Ästhetik und Autonomie verfügt. Die Sprache ist sich sozusagen selbst genug. Der Sprechakt bedient sich der Worte, um sich zu formieren. Brock entwickelte in der Folge Theorien des automatischen Sprechens, wobei es darauf ankam, zu zeigen, daß die Form des Sprechens das Entscheidende ist, "denn wir verstehen ja Sprache nicht als Ergon, sondern als Energeia".

S. 30-31

[S.30]

                             Für einen Tag könnte ich das Leben erfinden
weiter reichts nicht ein Fensterrahmen ein Mädchenkleid eine Zigarette sind schon unüberwindliche Probleme

             Morgenmusikluft:

             Gedanken und mehr an

             1. südlichen Fisch-Schlangenträger Bildhauer Ofen Grabstichel

             2. Spektralklassifikation O B A F G K M R N
                 O Be A Fine Girl Kiss Me Right Now

             3. Ermüdungserscheinungen des Lichts

             4. Unterriesen

             5. Spiralnebel (BH)2 auf dem oberen Teil der Venus mit Junghunden und
                  Elefantenrüssel Sonne im absteigenden Knoten Mond im letzten Viertel

             6. Das Ich ? Protuberanz am Sonnenrand

[S.31]

Momentangefäße
langweilig leicht umlauert
nicht innen

über Absolutparaden
längst verschollener Segler


dumpf bei verschlossenen Augen
im Tiefseetrichter
der großen Wirkung im Gedicht

               begebe mich daran ein Telefonbuch zu schreiben
               das ist zweifellos die Existenz im Wort

               der Tod ist eine Seite Manuskriptpapier

               gekrümmte Kühle
               an der die Zeit irgendwohin
               Wortsinn irgendwohin
               als geradliniges Neutrum fließen 

               geladen mit Worten
               dico ergo sum Pausenzeichen
               unter beißender Mähne
               bestehe als mehrsprachliches reales Kling-Klang

               Gedichte Staub und Licht
               wachsen galoppieren durchkreuzen
               viel Fluß und Frauennamen
               im Äther auch ein fließendes Flugzeug

               staring he heard
               Entwicklung eines Wortkonzerts