Kotflügel/Kotflügel

erster lyrikband

Bazon Brock "Kotflügel Kotflügel" | (Titelblatt) Direktor der Natur, Widmung in "Kotflügel, Kotflügel" Direktor der Natur, Widmung in "Kotflügel, Kotflügel" | bearbeitete Fassung
Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

Brocks Karriere begann 1957 mit der Veröffentlichung eines Gedichtbandes: Kotflügel, Kotflügel. Damals nannte sich Brock noch Bazon Phönix Phlebas Brock.

Die frühen Gedichte drehten sich vor allem um das Thema Sprache. Brock wollte aufzeigen, daß Sprache nicht nur ein Werkzeug ist, mit dem man Informationen übermitteln kann, sondern daß Sprache unabhängig von Bedeutungszuweisung über eine eigene Ästhetik und Autonomie verfügt. Die Sprache ist sich sozusagen selbst genug. Der Sprechakt bedient sich der Worte, um sich zu formieren. Brock entwickelte in der Folge Theorien des automatischen Sprechens, wobei es darauf ankam, zu zeigen, daß die Form des Sprechens das Entscheidende ist, "denn wir verstehen ja Sprache nicht als Ergon, sondern als Energeia".

S. 42-43

[S.42]

Bahnungserscheinungen                      Vogel auch hier Steuerungspartien des Muskels
Ovid entrollte den türkischen Marmor


              Freiheit aus Worten Gold zu machen
              spüre einen stechenden Schmerz
              ich bereite vor
              das Erlaubte und das Unerlaubte

              der Himmel das blaue Fangnetz
             „du mußt dein Leben ändern“

             der Leib schwellt von grotesken Gedanken
             Augen ins Schwarze versunkenes Grün
             Geschlechtsteil meiner Farben

             stets geht etwas vor in diesen Gedichten
             die Nacht stillt unseren Hunger Kopf an Kopf

             ich gewinne nur schwer die Vorstellung
             daß Worte nebeneinander stehen könn

             etwas ausgebreitet blaue Schatten
             die empfänglichen Signale werden nicht mehr bedient

[S.43]

                                                                    Verwandlung des Auges
                              Auge wie ein Wrack über die See geschleudert


nicht existent

Pfeile schwingen
Doppelkegel

Bestätigung meiner Hindernisse

ich könnte das Gefühl haben
so überzeugend schwarz

Fenster in dem ein flacher Horizont zeichnet

nacktes Bett

pochend zwischen Rot und Komplementär

Regenbogenhaut schon sanft aufgehoben

springen die hungrigen Haare

mein Fleisch das in deinem wandert
eine treibende Mine

Erlebnis eines Neutrums

auf den Schnittebenen
wenn die Vögel den Abend frisieren

brennt unter den Nägeln halb und halb