Quelle, Essenztext, Themen, Leser, Status inAnkündigung zur Besucherschule der Art Frankfurt, 1994, 1994 im AbschnittWarum noch Kunst? Zur Politikverdrossenheit, zur Technik- und Bildungsverdrossenheit jetzt noch die Kunstverdrossenheit? Man kann das Gelaber nicht mehr hören, weil es so verlogen ist. Wer diesen Maulchören der gelangweilten Schmarotzer tatsächlich folgt und sich als asketischer Einsiedler in die Großstadtwüsten zurückzieht, merkt schnell, daß das Gejammer so ernst nicht gemeint ist. Dreißig Kanäle zapfen die Burschen an, damit sie genügend Augenfutter haben. Aus den Duschen soll es sprudeln und ALDI Milch und Marmelade fließen lassen. Themen keine ludwigzeidler dergraueraum
Quelle, Essenztext, Themen, Leser, Status inVernissage der Ausstellung von Kata Legrady, 2011 im AbschnittDulce et decorum – Die Zuckerwaffen der Kata Legrady Wo Wahrheit, Gutheit, Schönheit nicht mehr dogmatisch behauptet werden können, rettet nur noch der Lügner die Wahrheit – das Eingestehen der Falschheit lässt erkennen, dass der Gestehende noch etwas von der Wahrheit weiß. Das erkannte Scheitern der Künstlerei als das erkannte Falsche ist als solches noch wahr. Themen LügeWahrheit Martin Kohlhaas
Quelle, Essenztext, Themen, Leser, Status inDer Barbar als Kulturheld, 2002 im AbschnittAnimierte Animatoren. Wer bewußt Kitschobjekte in diese Kommunikation einbringe, macht seinen Partnern klar, daß es in der Beziehung nicht um die Objekte geht, sondern um die immer wieder beschworenen »geistigen oder seelischen Werte«. Die 150%igen Kitschobjekte, also die »camp«- Werke, erfüllen diese Voraussetzung optimal. Es kommt also darauf an, mehr und mehr Menschen der verschiedensten Kommunikationsgemeinschaften zu einer bewußten Nutzung der »camp«-Gegenstände anzuleiten. Die bis dato »kleinbürgerlich« genannte Beurteilung von Artefakten ging davon aus, jene Werke am höchsten zu schätzen, bei denen zwischen Inhalt und Form die größte Übereinstimmung herrscht - so als könne es eine vollständige Identität von psychischen Aktivitäten und sprachlicher Gestaltung geben. Wenn das tatsächlich gelten sollte, könnte man nur Tautologien produzieren nach dem Muster »eine Rose ist eine Rose ist eine Rose«. Die ästhetische Aufladung von sprachlicher Gestaltung, also auch von Bildern, Skulpturen, Musikstücken, Architekturen, entsteht aber gerade aus dem Spannungsverhältnis zwischen Gedanken, Vorstellungen, Gefühlen und Willensäußerungen einerseits und der Unmöglichkeit, sie in eineindeutigen Gestaltungen zu repräsentieren, andererseits. Themen Für eine neue Ästhetik der Medien Michael Esser
Quelle, Essenztext, Themen, Leser, Status inBazon Brock zeigt mit Agamben, wie man Hundertwasser liest., 2008 im AbschnittEntblößung ist Argument. Zur Wahrheit als Reduktion auf die nackte Existenz Künstler haben es nie darauf abgehoben, als Kirche für Atheisten, das Museum sollte nicht der Ersatz für die Atheisten sein, so dass sie auch ein Tempel haben. Das Museum ist kein Tempel für die Atheisten, da geht es um Erkenntnis und nicht ums Anbeten. Themen keine Martin Kohlhaas1
Quelle, Essenztext, Themen, Leser, Status inBazon Brock zeigt mit Agamben, wie man Hundertwasser liest., 2008 im AbschnittEntblößung ist Argument. Zur Wahrheit als Reduktion auf die nackte Existenz Alle sagen, wir leben im Zeitalter des Relativismus, alles ist egal, alles ist möglich. Alles Quatsch! Wir leben Im Zeitalter extremer Orientierung auf Wahrheit, Gutheit und Schönheit. Gerade weil alles bezweifelbar, hässlich, fragmentiert ist, ist es denknotwendig, dass wir uns pausenlos darauf beziehen müssen. Wir sagen, alle unsere Sicherheiten sind mehr oder weniger vom Winde verweht, es gibt keine Tradition, keine Stabilitäten, keine Verpflichtung der Menschen, keine verbindliche Ethik: alles Quatsch, Es gibt in der westlichen Welt eine Quelle der Verbindlichkeit, die so unglaublich stark ist, dass sie die Konkurrenz mit allen bisherigen Systemen gewährter Sicherheit als Kulturen, d.h. als Glauben an einen starken Gott, seien es die Hebräer, der Islam, die Christen weit übertrifft. 2000 Jahre christliche Gewissheit, was ist das schon? 3.800, wenn wir ganz großzügig sind, bis Abraham, fiktive Größe, 3.800 Judentum, was ist das schon? Was sind 3.800 Jahre chinesische Kulturtradition, was im Vergleich zu 15.000 Jahren Halbwertszeit, die wir spielend in jeder Müllhalde repräsentieren. Themen Müllkult Martin Kohlhaas
Quelle, Essenztext, Themen, Leser, Status inDer Barbar als Kulturheld, 2002 im AbschnittDie Besten brechen die Regeln. Sport als Kulturmuster. Jeder sucht seinen Vorteil in der Kaschierung eines Regelverstoßes; die Besten im Sport, in der Wirtschaft, in der Kultur sind diejenigen, die ihre Intelligenz zum Regelbruch nutzen und zur Täuschung der Urteilsinstanzen, also zur Vermeidung von Strafen. Themen keine Martin Kohlhaas
Quelle, Essenztext, Themen, Leser, Status inDer Barbar als Kulturheld, 2002 im AbschnittDie Besten brechen die Regeln. Sport als Kulturmuster. Nach Regeln (also sportlich) zu spielen, fordert die Intelligenz des Akteurs zum Regelbruch heraus Den Betrachter stimuliert das Spiel nach Regeln zur Bewertung dieser Intelligenz: Herausragend ist nur, wessen raffinierter Regelverstoß nicht geahndet werden kann. Themen keine Martin Kohlhaas
Quelle, Essenztext, Themen, Leser, Status inOswald Oberhuber, 1985 im AbschnittOswald Oberhuber. Fragment gegen System Man hat nicht deshalb etwas zu sagen, weil man zeichnen kann - also Professionalismen beherrscht -, sondern man kann zeichnen, sobald man etwas zu sagen hat. Themen keine Martin Kohlhaas
Quelle, Essenztext, Themen, Leser, Status inOswald Oberhuber, 1985 im AbschnittOswald Oberhuber. Fragment gegen System Jeder produktive Mensch muß damit rechnen, daß Kreativität eine Funktion des schlechten Gedächtnisses ist, oder, positiv ausgedrückt, daß Vergessen zu können eine Voraussetzung für Kreativität ist. Themen keine Martin Kohlhaas
Quelle, Essenztext, Themen, Leser, Status inDer Barbar als Kulturheld, 2002 im AbschnittBildende Wissenschaft. Das Glück der Dauer. Reale Virtualität. Imaging Science. Nicht nur Historiker, Archäologen, Theologen, Philologen, die gelernt haben, mit Toten sachgemäß zu kommunizieren, handhaben die Techniken, Dauer durch wieder-holen, zurück-holen zu erreichen; heute bedienen fast schon alle Zeitgenossen sich der Technik des recording in Bild und Ton: sie lassen Clark Gable per Videorecorder auferstehen; sie halten eine Lebensszene per Foto permanent verfügbar und collagieren bei Familienfesten Lebensläufe zu Biographien, in denen souverän Zeiten und Räume ineinander verschachtelt und auseinandergenommen werden – wie es noch vor kurzem bestenfalls Kulturprofis zu tun vermochten. Die Zeitgenossen lernten das vor allem am Beispiel der Künste und der Massenmedien. Inzwischen beklagt das TV-Volk nicht mehr die "ewigen Wiederholungen alter Filme", sondern partizipiert an den Warholschen Freuden der ständigen Wiederkehr desselben als das Gleiche (Serienglück). Und Friedrich Nietzsche segnet die Sportschaugucker, denen die slow-motion-Wiederholung wichtiger Szenen (dreimal, viermal, immer wieder) zur Qualifikation MT verhilft: Master of Time – Kulturgröße. Das ist technische Theologie: das christliche Wiederauferstehungsversprechen kann von jedermann erfüllt werden, ohne Apokalypse, ohne jüngstes Gericht. Die Massenmedien beweisen täglich, daß wir das Ende schon hinter uns haben. Das ist ihre frohe Botschaft. Themen keine stefan m. seydel/sms ;-) Hans-Jürgen Siegmund1