Quelle, Essenztext, Themen, Leser, Status inLustmarsch durchs Theoriegelände, 2008 im AbschnittMusealisierung als Zivilisationsstrategie | Avantgarde - Arrièregarde - Retrogarde Sein heißt wahrgenommen werden, oder, auf Lateinisch, esse est percipi. Für den Anderen ist man nur in dem Maße bedeutsam, wie man ihm Anlaß bietet, sich in einen Bezug zur eigenen Person zu setzen. Was mit dem Begriff des Netzwerkens zur Sprache kommt, ist dieses sich ständig wechselseitige Einbringen in die Wahrnehmung anderer, das die Bestätigung für die eigene Anwesenheit darstellen soll. Themen keine Martin Kohlhaas Andrea Kuehbacher
Quelle, Essenztext, Themen, Leser, Status inLustmarsch durchs Theoriegelände, 2008 im AbschnittKunst als Evidenzkritik - Erkenntnisstiftung durch wahre Falschheit Sobald jemand seiner Täuschung gewahr wird, enttäuscht er sich ja. Ihm geht ein Licht auf. Das heißt, er wird aufgeklärt durch die Erfahrung, in ein und demselben Augenblick die Täuschung zu genießen und sie als solche zu durchschauen. Themen FakeAufklärung Martin Kohlhaas Andrea Kuehbacher
Quelle, Essenztext, Themen, Leser, Status inLustmarsch durchs Theoriegelände, 2008 im AbschnittSelbstfesselungskünstler gegen Selbstverwirklichungsbohème Europa kommt nach Meinung der Minister in dreißig Jahren bereits die Rolle des Weltmuseums der Zukunft zu. Touristen aus aller Welt werden sich millionenfach nach Europa aufmachen, um sich dort zu amüsieren. Sie werden nach Berlin, Rom, Paris und London kommen und es ungemein spannend finden, die Bevölkerung zu beobachten, die ernsthaft behauptet, es habe in Europa so etwas wie den Rechtsstaat gegeben. Themen Europa Martin Kohlhaas Hans-Jürgen Siegmund
Quelle, Essenztext, Themen, Leser, Status inLustmarsch durchs Theoriegelände, 2008 im AbschnittSelbstfesselungskünstler gegen Selbstverwirklichungsbohème Die Zukunft der Welt sieht laut Wirtschaftsexperten folgendermaßen aus: China sei das Territorium, in dem künftig die Welt produziert. Indien sei das Steuerungszentrum, weil die gesamte Elektronik von Mathematikern abhänge und Indien das größte mathematische Potential besitze. Die spirituelle Lenkung der Welt übernehme der moslemische Gürtel zwischen Malaysia und Marokko. Amerika spiele keine Rolle mehr, sondern werde nach dem großen Bild der Neuen Welt in seinem Innern in den christlichen Bible Belt und Mormonenstaat, einen Sharia-Staat der Vereinigten Moslems, einen asiatischen Nordwesten und einen hispanischen Süden aufgeteilt. Von New York bis Boston biete sich das gute alte Amerika als Freizeitpark der toten Musen. Und Europas Zukunft? Themen keine Martin Kohlhaas
Quelle, Essenztext, Themen, Leser, Status inLustmarsch durchs Theoriegelände, 2008 im AbschnittDer verbotene Ernstfall Die Surrealisten haben mit dem cadavre exquis versucht, eine Logik zu entfalten, die man nicht antizipieren kann. Als Künstler haben sie symbolische Repräsentationen entwickelt, die nicht mehr per Ikonographiehandbuch in Kognitionen oder Imaginationen übersetzbar waren, sondern die ganz der Beschäftigung mit unlösbaren Problemen verpflichtet waren. Sie fanden heraus, daß gerade die Zumutung der Unlösbarkeit des Problems ungemein stimulierend auf den Betrachter wirkte. Plötzlich war klar, daß man sich nicht mehr mit Problemen auseinandersetzt, um sie loszuwerden, sondern um zum Kern der Sache vorzustoßen, der prinzipiellen Unlösbarkeit von Problemen. Themen Arbeit an unlösbaren Problemen Martin Kohlhaas
Quelle, Essenztext, Themen, Leser, Status inLustmarsch durchs Theoriegelände, 2008 im AbschnittDer verbotene Ernstfall Die Konsequenz aus dieser verhängnisvollen Ökonomie der Aufmerksamkeitsverteilung wäre darin zu sehen, endlich eine Geschichte zu etablieren, in der als Großtat gefeiert wird, was sich nicht ereignet hat. (5) Das Verhindern ist eine viel größere Leistung als das Realisieren irgendeiner noch so großen Idee. Wer den Bau eines häßlichen Hotelkomplexes verhindert, stellt wirklich Erfindungsreichtum und kommunikationsstrategische Begabung unter Beweis – ein Faktum, das endlich anerkannt werden müßte. Schreiben wir also eine Geschichte des Unterlassens! Zeigen wir den Gottsucherbanden aller Herren Länder, was es heißt, Europäer und Christ zu sein, indem wir unsere Leistungsfähigkeit im Unterlassen demonstrieren. Themen Unterlassen Martin Kohlhaas Indra Kupferschmid
Quelle, Essenztext, Themen, Leser, Status inBazon Brock, was machen Sie jetzt so?, 1968 im AbschnittDas Leben als Theater Was ich mache, überzeugt mich sehr, fast am meisten. Themen Identität/Subjektivität Marko Meister
Quelle, Essenztext, Themen, Leser, Status inGoogle+, 2011 im AbschnittBernhard Johannes Blume † daß Optimist nur zu sein vermag, wer mit dem Schlimmsten rechnet und es somit auszuhalten lernte. Das Ende muss man apokalyptisch vorwegnehmen, um endlich doch mit Kraft beginnen zu können Themen keine Martin Kohlhaas Marko Meister
Quelle, Essenztext, Themen, Leser, Status inAktion gegen die Wegwerfgesellschaft (Brock in der Tonne), 1962 im AbschnittDas Blätterbuch. 22.000 leere Seiten Die Brocksche Wegwerfbewegung zielt nach vorn, denn wir wollen nicht an die Dinge unsere Erinnerungen binden, sondern an uns selber: an unsere Gesten, unseren sprachlichen Ausdruck, an Mimik und Verhalten. Wer nur sein Leben auf seine jeweilige Umgebung projiziert, der wird bald nichts mehr in den Händen haben. Die meisten Leute machen deshalb nur etwas aus ihrer Wohnung, nichts aber aus sich selbst. Themen Theoretische Objekte Marina Sawall
Quelle, Essenztext, Themen, Leser, Status inDer Barbar als Kulturheld, 2002 im AbschnittBildende Wissenschaft. Das Glück der Dauer. Reale Virtualität. Imaging Science. Nicht nur Historiker, Archäologen, Theologen, Philologen, die gelernt haben, mit Toten sachgemäß zu kommunizieren, handhaben die Techniken, Dauer durch wieder-holen, zurück-holen zu erreichen; heute bedienen fast schon alle Zeitgenossen sich der Technik des recording in Bild und Ton: sie lassen Clark Gable per Videorecorder auferstehen; sie halten eine Lebensszene per Foto permanent verfügbar und collagieren bei Familienfesten Lebensläufe zu Biographien, in denen souverän Zeiten und Räume ineinander verschachtelt und auseinandergenommen werden – wie es noch vor kurzem bestenfalls Kulturprofis zu tun vermochten. Die Zeitgenossen lernten das vor allem am Beispiel der Künste und der Massenmedien. Inzwischen beklagt das TV-Volk nicht mehr die "ewigen Wiederholungen alter Filme", sondern partizipiert an den Warholschen Freuden der ständigen Wiederkehr desselben als das Gleiche (Serienglück). Und Friedrich Nietzsche segnet die Sportschaugucker, denen die slow-motion-Wiederholung wichtiger Szenen (dreimal, viermal, immer wieder) zur Qualifikation MT verhilft: Master of Time – Kulturgröße. Das ist technische Theologie: das christliche Wiederauferstehungsversprechen kann von jedermann erfüllt werden, ohne Apokalypse, ohne jüngstes Gericht. Die Massenmedien beweisen täglich, daß wir das Ende schon hinter uns haben. Das ist ihre frohe Botschaft. Themen keine Marina Sawall